Zeitungsartikel

Die Rheinpfalz, 20.01.2020

Ellerstadt: Bürgermeisterin schwärmt bei Neujahrsempfang von „Wir-Gefühl“

Von Jens Lepthien

„Optimistisch nach vorn blicken“ will Ellerstadts Bürgermeisterin Elke Stachowiak (FWG).

„Optimistisch nach vorn blicken“ will Ellerstadts Bürgermeisterin Elke Stachowiak (FWG). (Foto: Franck)

Ellerstadt: Beim Neujahrsempfang im Ellerstadter Bürgerhaus blickte Ortsbürgermeisterin Elke Stachowiak (FWG) zurück auf 2019 und zeigte auf, was das Dorf 2020 alles anpacken will.

 

„Was mag uns die Zukunft bringen“ war das Motto der Bürgermeisterin, die seit Sommer im Amt ist. Da die Zukunft jedoch aus der Vergangenheit erwachse, ließ sie zunächst einige Ereignisse Revue passieren. Ellerstadt stehe sehr gut da. Die Sanierung der Bahnstraße konnte weitestgehend abgeschlossen und in der Ortseinfahrt Nord zur Verkehrsberuhigung eine Verschwenkungsinsel errichtet werden. Aufgrund von TÜV-Gutachten seien alle Spielplätze überprüft und notwendige Erneuerungsmaßnahmen vorgenommen worden. In der Akaziensiedlung seien vielfältige Maßnahmen wie Erdverkabelung, neue Straßenbeleuchtungen und Pflasterungen angestoßen worden. Außerdem seien Gesprächsgruppen in Form eines Runden Tisches, an dem sich die Vereine, Gewerbetreibende und die Winzer treffen, eingerichtet worden. „Wir wollen gemeinsam optimistisch nach vorn blicken und die Zukunft menschlich gestalten“, appellierte Stachowiak an die dicht gedrängt stehenden Gäste im voll besetzten Bürgerhaus. „Ich freue mich sehr, dass in Ellerstadt ein starkes Wir-Gefühl herrscht“, sagte die Bürgermeisterin. Das werde durch die große Anzahl der anwesenden Vereine eindrucksvoll dokumentiert. Ein großer Dank gehe auch an die Handwerks- und Einzelhandelsbetriebe, die dem Standort Ellerstadt die Treue gehalten haben.

Haushalt mit gesunder Grundlage

Beim Ausblick auf künftige Vorhaben teilte die Bürgermeisterin mit, dass das Projekt Mehrgenerationenfläche angepackt werden könne, da die Baugenehmigung nun endlich vorliege. In Zusammenarbeit mit der Bauern- und Winzerschaft sei die Renaturierung einiger Flächen in der Gemarkung vorgesehen, um so einen ökologischen Beitrag zur Artenvielfalt leisten zu können. Um das Thema der digitalen Zukunft werde sich künftig der neugebildete Ausschuss „Digitalisierung, Breitbandausbau und neue Medien“ kümmern. So werde bei anstehenden Baumaßnahmen die vorsorgliche Verlegung von Leerrohren von der Gemeinde übernommen, um die zukünftige Digitalisierung der Haushalte zu erleichtern. Der Haushalt der 2500-Seelen-Gemeinde stehe aufgrund einer breiten gewerblichen Basis und einer sehr guten Einkommensstruktur auf einer gesunden Grundlage.

Gesungen wurden Beatles-Songs

Das Ergebnis in der Finanzrechnung 2019 sei positiv, sodass alle getätigten Investitionen aus dem Überschuss und dem Kassenbestand finanziert werden konnten. Darunter falle auch das Investitionsvolumen für die Bahnstraße in Höhe von 345.000 Euro. Verbandsgemeindebürgermeister Torsten Bechtel (CDU) wies auf den Start der Ganztagsschule in der Verbandsgemeinde, den Ausbau der Hortplätze in Ellerstadt und auf Investitionen in das Abwasserwerk der Verbandsgemeinde hin.

Der Kinderchor der „E-Town-Kids sang „Chöre“ von Mark Forster und eine Ode an Ellerstadt, die nach der Melodie von „Yesterday“ von den Beatles intoniert wurde. Der Chor „Ellcantiamo“ von der Chorgemeinschaft unter der Leitung von Friederike Nickel sang „Blackbird“ und „Wach auf, meines Herzens Schöne“.

Die Rheinpfalz, 01.01.2020

In unserer Serie „Wie war ihr Jahr?“ haben wir die 54-Jährige um eine persönliche Bilanz von 2019 gebeten.

Von Julia Plantz

Seit einem halben Jahr ist die 54-jährige Elke Stachowiak (FWG) Ellerstadter Bürgermeisterin.

Seit einem halben Jahr ist die 54-jährige Elke Stachowiak (FWG) Ellerstadter Bürgermeisterin. (Foto: Franck)

In der Kommunalpolitik sind Frauen weiter deutlich in der Unterzahl. In Ellerstadt aber hat seit Sommer eine Frau das Sagen. Bürgermeisterin Elke Stachowiak findet: Frauen machen es nicht besser oder schlechter als Männer, aber vielleicht ein bisschen anders.

Wie war Ihr Jahr?
Meine persönliche Bilanz ist eine sehr positive. Nach einem sehr anstrengenden und emotional geführten Wahlkampf durfte ich die Bürgerinnen und Bürger Ellerstadts überzeugen, mich zur ihrer Ortsbürgermeisterin zu wählen. Diese Wahl bedeutet eine Zäsur für mein Leben. Bisherige Prioritäten habe ich verschoben. Das Amt fordert meine ganze Kraft und viel Zeit. Persönlich war es ein sehr schönes Jahr, auch weil mein Sohn geheiratet hat.

Sie sind ein gutes halbes Jahr Bürgermeisterin, wie fühlt es sich an?
Es ist eine sehr zeitaufwendige Angelegenheit, aber es fühlt sich gut an. Das Amt ist neu für mich, ich bin aber schon mittendrin. Man lernt unwahrscheinlich viele Menschen kennen, das macht viel Spaß.

Seit Jahren gibt es in Deutschland eine Bundeskanzlerin und Frauen in Spitzenpositionen. In kommunalen Gremien sitzen aber kaum Frauen. Sie sind einige der wenigen Bürgermeisterinnen, im Verbreitungsgebiet unserer Ausgabe sind Sie sogar die einzige. Warum ist das so?
Ein Faktor ist Zeit, es ist unwahrscheinlich aufwendig, so ein Amt zu begleiten. Das passt oft nicht, gerade bei jüngeren Frauen mit Kindern. Die Sitzungen sind meistens abends, wenn es nicht diszipliniert ist, dann dauern sie sehr, sehr lang. Die Frau hat oft die Kinder, den Haushalt, die Oma, die zu pflegen ist, und macht ihren Beruf. Und dann soll sie noch Kommunalpolitik machen? Auch wenn es einiges an Gleichstellung gibt im 21. Jahrhundert, haben wir noch viel zu tun. Ein anderes Thema: Einige Frauen sagen: Bei den Männern wird nur debattiert, was ja auch häufig so ist … Für viele Frauen ist es dann attraktiver, ein bestimmtes Ziel, eine bestimmte Maßnahme oder ein bestimmtes Ehrenamt zu verfolgen.

Was hat sie dazu bewogen, politisch aktiv zu werden? Und dann gleich zu sagen: Ich mache den Chef! Ist Selbstbewusstsein nicht auch ein großer Faktor?
Ja, das ist ein Thema, das sich viele Frauen nicht zutrauen. Ich selbst war Geschäftsführerin. Für mich war das gar keine Frage, ob ich mir das zutraue. Es ist natürlich ein sehr verantwortungsvoller Job. Aber ich habe gesagt: Ich kann gut mit Menschen umgehen und Netzwerke bilden. Ich mache das. Wenn ich mich umschaue … die männlichen Kollegen sind jetzt auch nicht besser oder schlechter als ich als Frau. Ich habe übrigens keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ich habe um mich herum nur Männer. Ich war letztens bei der Kreisverwaltung bei der Bürgermeisterdienstbesprechung. Eine andere Bürgermeisterin und ich waren die beiden einzigen Damen in der Runde. Nach wie vor heißt es dann doch eher „liebe Bürgermeister…“. Aber das stört mich nicht, es gibt Leute, die legen Wert auf das „-innen“…

Spielt das eine Rolle für Sie?
Für mich überhaupt nicht. Mir ist wichtig, dass ich als Person anerkannt werde. Dass die Fachkenntnis anerkannt wird, und nicht, ob ich Frau oder Mann oder neutral bin. Aber es gibt natürlich Themen, die gehen Frauen anders an. Das Debattieren zum Beispiel. Nicht, dass eine Frau nicht debattieren kann. Aber sicherlich anders, mehr sachbezogen. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Wie kann man Frauen denn motivieren, sich politisch zu engagieren?
Ich nehme die Frauen mit, ich sage: Macht das, traut euch das. Wir haben fünf Frauen im 16-köpfigen Ellerstadter Gemeinderat. Mir arbeiten auch FWG-Frauen zu, die nicht auf der Wahlliste standen. Das ist für mich die nächste Generation. Wenn bei diesen Frauen die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, können die einsteigen. Die Familie muss auch mitziehen. Zu meinem Mann sage ich immer „First Lady“. Aber da hat er seinen richtigen Spaß damit. (lacht) Ich glaube aber, heute wird es einfacher, in ein politisches Netzwerk zu kommen als noch vor ein paar Jahren. Die jungen Leute bei Fridays für Future zum Beispiel. Die stehen am Anfang des politischen Daseins. Sie wachsen da rein, da wird das Geschlecht keine Rolle mehr spielen. Bei der Kommunalpolitik geht es übrigens auch ums Alter. Da gibt es viele Leute aus der Generation 50 Plus. Das wird sicherlich einige deutlich jüngere Bürgerinnen und Bürger von einer Beteiligung abhalten. Aber es ist normal, dass ich mich mit Leuten meines Alters umgebe.

Jetzt sind Sie nicht nur die einzige Frau weit und breit, Sie haben auch noch die Nachfolge von Helmut Rentz angetreten, der den Job 40 Jahre lang gemacht hat. Wie oft müssen Sie sich anhören: „Der Herr Rentz hat es so und so gemacht“?
Diese Vergleichbarkeit ist eigentlich nicht da. Die Leute sagen eher, es ist jetzt anders, und das ist gut so. Und das bewerte ich gar nicht. Vergleiche habe ich jetzt persönlich noch nicht gehört. Eher: Jetzt ist ein anderer Schwung, jetzt bewegt sich was, jetzt verändert sich was. Ich habe das Gefühl, dass die Leute einen Stillstand empfunden haben.

Wie gestalten Sie Ihren Bürgermeisterinnen-Alltag?
Ich bin relativ viel unterwegs. Das hängt damit zusammen, dass ich viele Projekte verfolge, viel rausgehe zu den Leuten und mir Expertisen hole. Man muss das Rad ja nicht neu erfinden. Ich halte nichts davon, nur im Büro vor mich hinzuarbeiten. Ich habe Sprechstunden nach Vereinbarung zu jeder Tageszeit. Viele Leute sind berufstätig und haben so die Möglichkeit für ein Gespräch. Ich arbeite sehr viel digital.

Ist ständige Erreichbarkeit nicht auch gefährlich?
Natürlich muss man Grenzen setzen. Wenn ich im Dorfladen bin, muss ich auch diszipliniert sein und sagen: „Leute, das ist ein Thema, das vielleicht nicht alle im Raum angeht. Wisst ihr was, vereinbaren wir doch einen Termin.“ Das nehmen die Leute sehr gerne an, weil sei dann sehen, das ist nicht so ein Dorftratsch zwischen Tür und Angel. Die Leute übertreiben es nicht. Am Anfang war es natürlich etwas mehr. Ich habe es aber nicht erlebt, dass jemand spät in der Nacht anruft.

Was haben Sie gelernt, und was machen Sie vielleicht im nächsten Jahr anders?
Ich habe gelernt, dass man Dinge hinterfragt und sich persönlich anschaut, ob dem so ist. Oft kommt man sehr schnell zu Lösungen oder man findet heraus, was das eigentliche Problem hinter der Sache ist. Ich versuche außerdem, im neuen Jahr etwas weniger Zeit in den Job zu investieren. Die Familie ist jetzt doch ein bisschen zu kurz gekommen. Die kommen schon mit zu Veranstaltungen, weil sie sagen, wir sehen dich sonst gar nicht mehr (lacht).

Die Rheinpfalz, 11.10.2019, mit freundlicher Genehmigung von Monika Köhler 

Elke Stachowiak ist seit 100 Tagen Bürgermeisterin

Mai 2019: Bei der Kommunalwahl setzt sich Elke Stachowiak als Bürgermeisterin durch. Einschlägige Erfahrungen hatte sie vorher nicht. (Foto:Franck)

Die ersten 100 Tage als Bürgermeisterin von Ellerstadt hat Elke Stachowiak hinter sich. Als Kandidatin der Freien Wähler hatte sie sich bei der Wahl im Mai gegen SPD-Mann René Breier durchgesetzt. Stachowiak hat mit ihrem kommunalen Amt Neuland betreten.

Seit Herbst 2018 war Elke Stachowiak in jeder öffentlichen Rats- und Ausschusssitzung, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Dorfpolitik funktioniert. Sie war viel unterwegs, um herauszufinden, was die Ellerstadter umtreibt. Im Rat zu beobachten, wie miteinander agiert wird, sei interessant gewesen, erzählt sie.

Die Beobachtungen mündeten bei ihr in neuen Ansätzen. Sie kam zu dem Schluss, vor den Ratssitzungen zuerst mit den Fraktionssprechern die Themen zu besprechen. In dieser Runde könne man ganz andere Fragen stellen als im Rat, findet sie. „Es sind ja die gleichen Themen, über die wir sprechen, nur hat jeder eine andere Herangehensweise“, sagt die Neu-Bürgermeisterin. Durch die vorgeschalteten Sitzungen verbessere sich auch der Informationsaustausch zwischen den Fraktionen.

Alles erst mal gründlich analysieren

Dass sich Ellerstadter Institutionen und Vereine untereinander besser vernetzen, ist ganz im Sinne Stachowiaks. Wie gewinnbringend das ist, zeige für sie das Beispiel der Kooperation zwischen NABU und Grundschule. Der Bürgermeisterin sind die Kontakte mit den Kollegen aus der Region wichtig, des Erfahrungsaustauschs wegen. „Unsere Zeit ist sehr schnelllebig. Man muss die Dinge aber erst einmal gründlich analysieren, um sie positiv voranbringen zu können, und man muss das Rad nicht immer neu erfinden“, begründet sie.

Der Stillstand zwischen Wahlen und Sommerpause war ihr zu lang, um Bürger auf Entscheidungen des Rates wegen ihrer Bauanfragen warten zu lassen, also machte sie im August zwei Sitzungen in einem Monat. „Ich halte nichts von Mammutsitzungen“, sagt die 54-Jährige. „Die Leute sitzen ehrenamtlich nach Feierabend da, und irgendwann sind sie einfach müde.“

Mit Gemeindearbeitern alle Grünflächen besucht

Das noch von Ex-Bürgermeister Helmut Rentz angestoßene Vorhaben, das Umspannwerk der Rhein-Haardtbahn zu kaufen, findet sie gut, sie hat auch jede Menge Ideen, was man damit anfangen könnte. Der Kauf dürfe auf keinen Fall um jeden Preis erfolgen, so Stachowiak. Das Gebäude ist mit Schadstoff belastet. Das müsse von der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH bewertet werden, so die Bürgermeisterin. Mögliche Maßnahmen müssten in die Preisverhandlungen einfließen. Außerdem seien Zufahrt und Parkplätze zu regeln.

Mit dem Bau der Begegnungsstätte für Jung und Alt soll im Frühjahr angefangen werden. Sollte man sich für ein Multifunktionsspielfeld am Standort der Skaterbahn entscheiden, dürfe das den Bau nicht weiter verzögern. Außerdem stelle sich die Frage nach den Mehrkosten. Stachowiak ist mit den Gemeindearbeitern alle Ellerstadter Grünflächen durchgegangen, um aufzunehmen, in welchem Zustand sie sich befinden und wie groß der jeweilige Pflegeaufwand ist, um entscheiden zu können, wie man sie grundsätzlich gestaltet haben will.

Die Idee eines Wohn-Pflegegebäudes wird wieder aufgenommen, wenn ein passender Platz dafür gefunden ist. Der Platz anstelle des Sängerheims sei definitiv zu klein.

Ordnung und Austausch als Priorität

„Das Betätigungsfeld eines Bürgermeisters ist wirklich breit gefächert“, so Stachowiak. Als Einzelkämpferin fühlt sie sich deshalb aber nicht. Sie setze auf eine geordnete Arbeitsstruktur, Netzwerke, Erfahrungsaustausch und Informationsfluss unter den Beteiligten.